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Nimmt man eine Flasche aus dem Kühlschrank, beschlägt sie, weil sich die umgebende Luft an der kalten Oberfläche der Flasche abkühlt und das in der Luft als Dampf enthaltene Wasser als Tauwasser ausfällt.
Ein analoger Vorgang führt in Gebäuden zu Feuchtigkeitsschäden, die durch Stockflecken und Schimmelbildung an inneren Oberflächen von Außenbauteilen sichtbar werden. Dabei trifft warme, feuchte Raumluft z. B. auf kältere raumseitige Oberflächen von Außenwänden, sodass ein Teil des Feuchtegehaltes der Luft als Tauwasser ausfallen kann.

 Tauwasserschäden mit nachfolgender Schimmelbildung
Nicht selten wird aber auch aus dem Baugrund aufsteigende oder von außen eindringende Feuchtigkeit als Ursache für Feuchteschäden mit nachfolgender Schimmelbildung angesehen. Schon kleinere Mengen dieser Feuchtigkeit können die Wärmeleitfähigkeit von Baumaterialien deutlich erhöhen und dadurch eine Abkühlung von Außenwänden und deren inneren Oberflächen verursachen.
 Schadensbild bei aufsteigender oder von außen eindringender Feuchtigkeit
Größere Mengen solcher Feuchtigkeit verursachen meist sichtbare Schadstellen, die meist klar abgegrenzte, verfärbte Austrocknungsränder, Ausblühungen oder Ablösungen von Putz und Anstrichschichten aufweisen.
Tauwasserschäden mit nachfolgender Schimmelbildung sind dagegen in der Regel durch fließende Übergänge nach außen gekennzeichnet, häufig ist das Wachstum der Pilze von einem Punkt aus kreisförmig nach außen abzulesen. Durchmesser dieser Scheiben reichen von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern. Die Farben der Schadstellen sind abhängig von der Ernährungsgrundlage (Substrat) der Schimmelpilze.
Überlagerungen verschiedener Arten von Feuchtigkeitseinwirkungen und der daraus resultierenden Feuchteschäden sind nie auszuschließen. Feuchtigkeit stellt nicht nur den größten Feind jedes Bauteils dar und führt über kurz oder lang zu Bauschäden, sondern erhöht auch den Energieverbrauch eines Gebäudes wegen der mit der Durchfeuchtung verbundenen erhöhten Wärmeleitfähigkeit der Baumaterialien.
Durchfeuchtete Außenbauteile können einen Mehrverbrauch an Heizenergie von bis zu 25 % zur Folge haben.
Wenn in bestehenden Gebäuden mit ungenügender Wärmedämmung und zahlreichen Wärmebrücken als Folge von Sanierungsmaßnahmen nachträglich angebrachte dicht schließende Fenster den Luftwechsel im Raum verringern (und dadurch die relative Feuchte der Raumluft ansteigen lassen) und aus Gründen der Energieeinsparung gleichzeitig die Heizungsanlage so gesteuert wird, dass niedrige Raumlufttemperaturen herrschen (und dadurch Außenbauteile von innen her nicht genügend erwärmt werden), lassen Feuchteschäden nicht lange auf sich warten.
Diese treten zuerst dort auf, wo Räume mit nutzungsbedingt hoher Feuchte der Raumluft (Küchen, Bäder) an Wetterwänden, sonnenabgewandten Seiten oder Außenwandkanten liegen oder an eine Außenwand und einen kühlen Raum (Treppenhaus, Schlafzimmer) grenzen.
Liegen solche Räume auch noch unter unbeheizten Dach- oder über unbeheizten Kellerräumen, oder weisen sie zusätzlich materialbedingte Wärmebrücken auf, erhöht sich die Schadenswahrscheinlichkeit weiter.
Wie kommt die Feuchtigkeit an die Wandoberfläche?
Tauwasser bildet sich immer dann, wenn warme feuchte Raumluft auf eine kältere Oberfläche trifft und dort unter die so genannte Taupunkttemperatur abgekühlt wird.
Die Folge: In der Luft vorhandener Staub sammelt sich an den feuchten Stellen und bildet in Verbindung mit Tapetenklebern oder Emulsions- und Dispersionsanstrichen und dergleichen einen idealen Nährboden für die Sporen der Schimmelpilze, die überall in der Luft (ob im Freien oder im Gebäudeinneren) vorhanden sind.
Wenn nicht zweckmäßig gelüftet wird, reichert sich die Raumluft durch die Feuchtigkeitsabgabe der Bewohner (Atmen, Schwitzen) und deren Aktivitäten (Kochen, Baden etc.) mit Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf an. Selbst im Schlaf wird jede Nacht pro Person über die Haut und die Atemluft bis zu einem Liter Wasser in Form von Wasserdampf an die Raumluft abgegeben.
Sinkt die Temperatur der Luft bei gleich bleibendem Wasserdampfgehalt, so erhöht sich die relative Luftfeuchte, da Luft umso weniger Wasserdampf aufnehmen kann, je niedriger ihre Temperatur ist. Kühlt sich die Raumluft so weit ab, dass die relative Luftfeuchte 100 % beträgt, ist die Taupunkttemperatur erreicht. Sinkt die Raumlufttemperatur weiter, fällt Tauwasser aus.
Nach herrschender Meinung gedeiht „wohntypischer“ Schimmelpilz optimal bei relativen Feuchten der Raumluft von mehr als 80 % und Raumlufttemperaturen ab 20 °C.
Bei neu zu errichtenden Gebäuden, deren Außenbauteile den Anforderungen nach Energieeinsparverordnung (EnEV) entsprechen und weder zulässige Wärmebrücken noch Stellen mit unzulässiger Luftundichtheit aufweisen, ist Tauwasserbildung an inneren Oberflächen von Außenbauteilen praktisch ausgeschlossen.
Auch bei hoher relativer Feuchte der Raumluft und einem wachstumsfördernden Nährboden (Substrat), ist mit Schimmelbildung nicht zu rechnen.
Anders verhält es sich bei bestehenden Gebäuden, deren Außenbauteile lediglich die Anforderungen nach dem früheren Mindestwärmeschutz erfüllen.
Zur Verhinderung oder Behebung bereits aufgetretener Feuchteschäden muss die innere Oberflächentemperatur von Außenbauteilen möglichst angehoben werden, dem Schimmel muss sein Nährboden entzogen und der Feuchtegehalt der Raumluft begrenzt werden. Verdunstete Feuchtigkeit ist durch zweckmäßiges Lüften abzuführen.
Lüften empfiehlt sich insbesondere dann, wenn die Temperatur und der Feuchtegehalt der Außenluft geringer sind als die der Raumluft und der raumumschließenden Oberflächen.
Kellerräume, deren erdberührende Außenwände an ihrer inneren Oberfläche im Sommer tagsüber meistens kühler sind als die Außenluft, sollten daher idealerweise während der warmen Jahreszeit nur in kalten Nächten belüftet werden.
Niedrige Oberflächentemperaturen als Folge von Wärmebrücken
Feuchtigkeitsschäden treten zuallererst im Bereich von Wärmebrücken auf, da dort im Vergleich zu ihrer Umgebung niedrigere innere Oberflächentemperaturen auftreten.
Energiesparen durch Verringerung von Lüftungswärmeverlusten und Herabsetzen der Raumlufttemperaturen ist also in der Regel erst dann ohne schädliche Folgen möglich, wenn Wärmebrücken entweder von vornherein vermieden wurden oder nachträglich beseitigt werden.
Wärmebrücken können durch mangelhafte Ausführung entstehen, aber auch konstruktiv oder geometrisch bedingt sein. Geometrisch bedingte Wärmebrücken entstehen überall dort, wo die Außenoberfläche eines Bauteils größer ist als seine Innenoberfläche.
Den klassischen Fall einer geometrischen Wärmebrücke bei Gebäuden stellen die Kanten von Außenwänden dar. Je mehr man sich der Kante nähert, desto größer wird der Anteil der wärmeabgebenden Außenoberfläche im Vergleich zur wärmeaufnehmenden Innenoberfläche. Nähert man sich der Kante auf eine Wanddicke (W), ist die Außenoberfläche bereits doppelt so groß wie die Innenoberfläche, bei einem Abstand von einer halben Wanddicke dreimal so groß usw. Je mehr man sich der Kante nähert, desto kälter wird daher auch die Innenoberfläche der Außenwand.
Rein rechnerisch nähert sich das Verhältnis Innenoberfläche zu Außenoberfläche im unmittelbaren Bereich der Außenwandkante dem Wert „unendlich“.
Die Temperatur der Innenoberfläche der Außenwand wird zusätzlich verringert, wenn z. B. ein gefüllter Kleiderschrank vor der Außenwand steht und die Wärmeaufnahme der Wand wegen mangelnder Zirkulation der Raumluft behindert wird. Schrank und Schrankinhalt wirken dann wie eine innenliegende Wärmedämmschicht ohne Dampfsperre.
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